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Das "Bekleidungswesen der ältesten Baukunst" hatte es Gottfried Semper, einem einflussreichen Theoretiker
der Neogotik im 19.Jahrhundert angetan: Den Ursprung der Wand sah er in Textilien, in Teppichen und
Behängen, deren Farbigkeit war ihm die historische Begründung für Polchromie in der Architektur.
Der neue Linzer Dom blieb einem kargen Verständnis von Materialgerechtigkeit verpflichtet, trocken nannte
Gurlitt den Stil, den der Dombaumeister Vincenz Statz vom Rhein an die Donau versetzte. Wie in den neu
errichteten Teilen des Kölner Domes blieben auch in Linz Wände und Gewölbe "unbekleidet".
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Temporär, im flüchtigen Medium der Lichtprojektion, schufen Färster und Weißinger 2004 eine grundlegende
Veränderung dieser Situation im Kölner Dom; nun nahmen sie sich des Linzer Mariendomes an.
Spezifisch für diesen Ort ließen sie sich dabei von einer kreativen Umkehrung der Semper'schen Theorie
anregen und wählten eine Textilie als wesentliches Ausgangsmaterial ihrer Bilderfindung: eine religiöse
Nadelmalerei aus der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts. Ausschnitte und Details dieses Bildes knäuelten,
zerfaserten, formierten und reorganisierten sich in einer Folge von Erscheinungen am Linzer Domhimmel.
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Während die Kaseldekoration der für die religiöse Kunst des 19.Jahrhunderts typischen Darstellung des
Himmelspersonals verpflichtet ist, verflechten sich Nahsichten und Elemente in der Arbeit von CASA MAGICA
zu formalen Strukturen und Kompositionen mit Anklängen an die Bildhintergründe der gotischen Malerei im
Übergang von ornamentierten Goldgründen zu Ausblicken auf heimische Landschaften, Himmel und Wetter.
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Die symmetrisch vom Vierungskreuz ausgehende Projektion bekleidet den Innenraum vom Sockel bis hinauf
in die Gewölbe. Die Projektion war im Wesentlichen auf Bewegung ausgelegt. Dabei streifte ein bildliches
Kontinuum in horizontaler Richtung und modulierter Geschwindigkeit über das Mauerwerk.
An beiden Abenden wurden Durchläfe von 25 Minuten Länge von improvisierenden Organisten (Wolfgang
Kreuzhuber, Rudolf Jungwirth, Einrich Reknagel) musikalisch interpretiert.
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